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Onkologische Arbeitshilfen - Tumorklassifikation

Tumorklassifikation

Die Tumorlokalisation u/o die Organzugehörigkeit wird durch die International Classification of Diseases (ICD) bestimmt. Gültig ist in Deutschland die Fassung des ICD-10-SGB V in der Version von 2012.

 

Die Tumorausdehnung wird durch die TNM-Klassifikation bestimmt, die in diesem Kapitel ausführlich beschrieben wird (Stand 2011). Ausnahmen sind die malignen Hämoblastosen und Hirntumoren.

 

Da für die Tx-Entscheidung mehrere Faktoren benötigt werden (z. B. TNM, Grading), wurde zusätzlich eine „gröbere“ Stadieneinteilung von der AJCC (American Joint Cancer Committee), der UICC (Union Internationale Contre le Cancer) sowie für die gynäkologischen Tumoren von der FIGO (International Federation of Gynecology and Obstetrics) geschaffen, die auf dem TNM-System aufbaut, sich aber an die klinischen und therapeutischen Gegebenheiten anpasst.

 

Die Tumordokumentation ist für jede Entität festgelegt, wird ständig fortgeschrieben und ausführlich publiziert.

 

Das TNM-System beruht
  • auf der Tumorgröße

T

1–4

  • dem Befall von Lymphknoten

N

0–2 (3)

  • und dem Nachweis von Metastasen

M

0/1

 

Die Unterteilungen sind für jede Tumorentität definiert:

T1–3

in der Regel auf das Organ begrenzt

T4

Überschreitung der Organgrenze

N0

kein Lk-Befall

N1/2

in der Regel regionärer Lk-Befall

N3

Befall entfernter Lk oder sehr große Lk-Pakete

M1

Fernmetastasen – die Organe werden durch Affix gekennzeichnet:

 

Lunge

PUL

Knochenmark

MAR

Knochen

OSS

 

Leber

HEP

Peritoneum

PER

Pleura

PLE

 

ZNS

BRA

Nebenniere

ADR

Lk

LYM

 

Haut

SKI

Andere

OTH

 

 

S

Serumtumormarker (nur ☞ Hodenkarzinome)

 

Mit C (Certainty factor) wird die Sicherheit der Einteilung bezeichnet:

C1

klinische Untersuchung, Standard-Röntgen-Aufnahme, Endoskopie

C2

spezielle apparative Untersuchungen (CT, Us, MRT, Endoskopie mit Biopsie)

C3

chirurgische Exploration mit Biopsie/Zytologie

C4

vollständige pathologische Aufarbeitung

C5

Autopsie

 

Das Präfix vor dem TNM-System bedeutet:
p

pathologisches Stadium

u

Ultraschalldiagnostik

c

klinisches Stadium

y

Zustand nach Therapie

r

Rezidiv

a

Autopsie

 

Das Suffix nach der T-Klassifikation bedeutet:

m

multiple Tumoren der gleichen Region

is

Carcinoma in situ

cy

zytologisch (z. B. Pleuraerguss, Aszites), z. B. M1(cy+)

Multiple Tumoren in verschiedenen Organen werden einzeln bezeichnet.

Multiple synchrone Tumoren in einem Organ können verschieden auftreten:

 

a) multiple nichtinvasive Tumoren

 

b) multiple invasive Tumoren

 

c) multiple invasive Tumoren mit Carcinomata in situ

 

d) ein invasiver Tumor in Verbindung mit Carcinomata in situ

Bezeichnung im TNM-System:

 

bei (a) mit Suffix „m“;

 

bei (b) und (c) T nach dem größten Tumor mit Suffix „m“: z. B. T2m – oder nach der Anzahl der Tumoren: z. B. T2(4)

 

bei (c) und (d) werden die Carcinomata in situ durch das Suffix „is“
gekennzeichnet: T2m, is oder T2is

Ausnahme: Beim Ösophagus-/Magenkarzinom steht im Stadium T1„m“ für Befall der Mukosa und „sm“ für Befall der Submukosa.

 

Das Suffix nach der N-Klassifikation bedeutet:

sn

Sentinel-Lk

i

isolierte Tumorzellen (+/-)

mol

molekulargenetische Untersuchung (+/-)

 

Invasion von Blut- und Lymphgefäßen:

V0

keine venöse Invasion

L0

keine lymphatische Invasion

V1

mikroskopische Invasion

L1

Nachweis der lymphatischen Invasion

V2

makroskopische Invasion

 

 

 

Perineurale Invasion:

Pn0

keine perineurale Inv.

Pn1

perineurale Invasion

 

Die histologische Klassifikation der Malignität erfolgt nach dem Grading:

G1

gut differenziert, wenig Mitosen

G2

mäßig differenziert

G3

schlecht differenziert, viele Mitosen

G4

anaplastisch (immer G4: kleinzelliges BC, Ewing-Sarkom, Rhabdomyosarkom)

Die Vollständigkeit der operativen Entfernung eines Tumors und auch der Zerstörung durch CTx oder RTx wird durch die R-Klassifikation bestimmt:

R0

kein Residualtumor nachweisbar, erhöhter Tumormarkerspiegel geht nicht ein

R1

nur histologisch mit Residualtumor (Resektionsrand)

 

zytologischer Befund – R1(cy+), Carcinoma in situ am Resektionsrand R1(is)

R2

makroskopisch nachweisbarer Residualtumor bzw. nicht resezierbare Met.

R2a

makroskopischer Nachweis, R2b histologische Sicherung

Das Suffix „x“ nach der T, N, M, V, L, G und R-Klassifikation bedeutet, dass nicht genügend Angaben für eine sichere Zuordnung vorhanden sind. Es bedeutet nicht unbedingt eine ungenügende Dokumentation, sondern kann sich aus den Umständen ergeben (z. B. geringe Zahl von Lk nach einer präoperativen RTx oder höheres Lebensalter etc.).